Nachgedacht

Andacht zum Monatsspruch August

„Neige, Herr, dein Ohr und höre! Öffne, Herr, deine Augen und sieh her! 

2. Könige 19,16

Ich wünschte mir in den letzten Wochen und Monaten eine Plattform, auf der ich meine Fragen bzgl. manchen Beschlüssen und Ereignissen unserer Tage einmal formulieren könnte. Damit aber nicht genug. Es müsste dort dann auch jemand zugegen sein, der mir antwortet. Also die Frage: Wohin mit dem, was mich umtreibt angesichts dessen, worauf ich wenig bis gar keinen Einfluss habe?

Der Jerusalemer König Hiskia erlebt eine ähnliche Hilflosigkeit wohl auch, als die Assyrer die Stadt belagern und das schon ausgehungerte Volk auffordern, sich zu ergeben. Der Obermundschenk des assyrischen Königs übergießt das Volk und seinen König mit Hohn und Spott, um von Hiskia eine Entscheidung zu erzwingen.

So breitet der König Hiskia in seiner Not die Situation klagend vor Gott aus; er über-betet seine Lage und überdenkt sie, indem er sie Gott erklärt. Die biblische Erzählung in 2. Könige 19 ist geprägt von Schilderungen, in denen der König bedrängt wird. 

Hiskia steht mit dem Rücken an der Wand. Durch den Bericht seiner Gesandten ist sein Herz voll Angst und Not. Er geht in den Tempel und schüttet Gott sein schweres Herz aus. Unter anderem sagt er das, was als Monatsspruch über dem Monat August steht: „Neige, Herr, dein Ohr und höre! Öffne, Herr, deine Augen und sieh her!“ (2. Könige 19,16).

So wie Hiskia den Tempel aufsuchte, so können wir unsere Ängste und Sorgen vor Gott tragen. Und dann ist es gut, wenn auch wir uns deutlich machen, mit wem wir sprechen, wenn wir beten: „Vater, Schöpfer, Herr der Welt …!“ 

Wenn wir vor Gott unser Herz ausschütten, verändern wir nicht automatisch unsere Situation. Aber es verändert uns in der Situation. Die Not bleibt nicht in uns stecken. Mit Gott können wir über unsere Nöte sprechen.

Oft wissen wir nicht, wie das, was uns Sorge macht, am Ende ausgeht. So dürfen wir auch unsere Wünsche beim Beten aussprechen und mit einer hoffnungsvollen Bitte schließen. Es ist nicht leicht, aber gut für uns, dann zu vertrauen, dass Gott alles in seine Hand nimmt und in seiner Hand hat.

Und jetzt? Ich will von Hiskia lernen, dass nicht die Verantwortlichen dieser Welt letztlich das Geschick lenken und in ihrer Hand haben, sondern der allmächtige Gott selbst, der uns in Jesus zum Vater wurde. Und darauf, dass er hört und seine Augen offen hat – auch über dem, was mir Not macht. Bei ihm habe ich eine Plattform, wo alles gesagt werden kann und – vor allem – wo jemand da ist, der zuhört und wirklich etwas ändern kann.


Herzlichst
Euer
Christoph Henss